2025 war das Jahr der KI-Ankündigungen. 2026 ist das Jahr in dem sich zeigt, welche Hersteller geliefert haben. Nicht jedes „KI-ready“ Label auf einer PVS-Webseite hält dem ersten Praxis-Tag stand. Wir haben uns die fünf wichtigsten Anbieter im DACH-Raum angeschaut und sortiert, was tatsächlich funktioniert – und was Marketing-Versprechen geblieben ist.
Wichtig vorweg: KI in der Praxis bedeutet 2026 nicht mehr „ein Chatbot, der bei Patientenfragen hilft“. Die ernstzunehmenden Features sind Sprache-zu-Text bei der Anamnese, automatische Arztbrief-Generierung, strukturierte Befund-Erfassung und Diagnose-Vorschläge nach ICD-10. Genau dort entscheidet sich, ob ein PVS Zeit spart oder neue Fehlerquellen schafft.
Die 5 KI-Funktionen, die 2026 wirklich zählen
Bei der Anbieterauswahl ist es leicht, sich von Buzzwords blenden zu lassen. Diese fünf Features unterscheiden ein produktives KI-PVS von einem Demo-Spielzeug:
- Live-Spracherkennung bei der Anamnese: Direktes Diktieren in die Patientenakte mit medizinischem Vokabular – ohne nachträgliches Tippen.
- Automatische Arztbrief-Erstellung: Zusammenfassung der Konsultation in einem strukturierten Brief, den der Arzt nur noch gegenliest.
- ICD-10-Vorschläge mit Kontext: Die KI schlägt Diagnose-Codes basierend auf Symptomen und Verlauf vor – inklusive Differentialdiagnosen.
- KIM/E-Mail-Klassifizierung: Eingehende Befunde, Überweisungen und Patienten-Nachrichten werden automatisch sortiert und priorisiert.
- Codier-Assistenz für GOÄ/EBM: Vorschläge für korrekte Abrechnungspositionen während der Dokumentation – mit Plausibilitätscheck.
tomedo (zollsoft) – Der KI-Pionier
Zollsoft hat als erster deutscher Anbieter Anfang 2025 Live-Spracherkennung in die Anamnese-Maske integriert. Die tomedo-KI nutzt ein eigenes, auf medizinisches Vokabular trainiertes Modell und läuft komplett auf deutschen Servern. Stärken: Arztbrief-Generierung mit Vorlagen-Auswahl, automatische Strukturierung von Befunden, KI-gestützte Karteikarten-Vorschläge. Schwächen: Nur auf macOS / iPad, höhere Hardware-Anforderungen.
Die 5 PVS-Anbieter mit echten KI-Features (Stand 2026)
Wir haben fünf der größten und innovativsten Anbieter im DACH-Raum nach realen Praxis-Implementierungen gerankt. Wichtig: Es geht hier um integrierte KI, nicht um lose Drittanbieter-Add-ons.
doctorly – Die Cloud-KI
Doctorly hat Mitte 2025 eine eigene KI-Schicht über das Cloud-PVS gelegt. Besonders stark: automatische Diagnose-Vorschläge direkt nach Symptom-Eingabe, GOÄ-Codier-Assistenz für Privatabrechnung, sowie ein KI-Patienten-Onboarding via App. Die Integration läuft komplett im Browser, keine lokale Installation. DSGVO-Verarbeitung in EU-Cloud, Auftragsverarbeitungsvertrag inklusive.
CGM (TURBOMED, ALBIS, MEDISTAR) – Der Marktführer schaltet hoch
CompuGroup hat 2026 sein KI-Modul CGM CLICKDOC AI auf alle Hauptprodukte ausgerollt. Funktionen: Live-Diktat in die Patientenakte, KI-gestützte Suche im Aktenarchiv, automatische Klassifizierung eingehender KIM-Nachrichten. Stärke: Tiefe Integration in alle CGM-PVS, kein zusätzliches Setup. Schwäche: Premium-Modul mit Aufpreis, KI-Qualität noch nicht auf dem Niveau spezialisierter Anbieter.
medatixx – Der pragmatische Mittelweg
medatixx setzt 2026 auf modular zubuchbare KI-Bausteine. Verfügbar sind: Sprache-zu-Text (über externes Modell mit DSGVO-konformer Anbindung), Arztbrief-Assistenz und KI-Befund-Vorklassifizierung. Vorteil: Geringe Einstiegshürde, einzelne Features lassen sich pro Praxis testen. Nachteil: Keine durchgängige KI-Erfahrung, mehrere Anbieter im Hintergrund.
RED medical – Die Datenschutz-First-KI
RED medical hat einen radikalen Ansatz gewählt: Alle KI-Verarbeitung läuft entweder lokal auf dem Praxis-Server oder in einem zertifizierten deutschen Rechenzentrum. Keine US-Cloud, kein Datenexport. Features: Diktat mit medizinischem Vokabular, KI-Brief-Vorlagen, ICD-10-Assistenz. Ideal für Praxen mit hohen Datenschutz-Anforderungen oder bei berufsständischen Bedenken.
DSGVO-Check vor jedem KI-Einsatz
KI in der Patientenakte ist heikel – Sie verarbeiten Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO. Diese drei Fragen müssen Sie vor Vertragsunterzeichnung klären:
- Wo läuft das KI-Modell? EU-Server sind Pflicht. Bei US-Anbietern brauchen Sie einen aktuellen DPA mit Standardvertragsklauseln plus zusätzliche Schutzmaßnahmen.
- Wer trainiert mit Ihren Daten? Klausel verlangen: „Daten der Praxis werden nicht für das Training des Modells verwendet.“ Sonst gehen Ihre Patientendaten in das öffentliche Modell ein.
- Wie ist die Daten-Lebenszyklus? Wann werden Diktate, Transkripte und KI-Vorschläge gelöscht? Idealerweise: nach Generierung der Notiz unmittelbar.
Der reale ROI: Wann sich KI in der Praxis rechnet
Eine Hausarztpraxis mit 35 Patienten pro Tag dokumentiert im Schnitt 4 Minuten pro Konsultation. Mit Live-Diktat plus KI-Brief-Generierung sind es realistisch 1,5 Minuten. Das sind 87 Minuten pro Praxistag oder rund 350 Stunden pro Jahr und Arzt. Bei einer typischen Arzt-Stundenkostenrate von 80 € bedeutet das ein theoretisches Einsparpotenzial von ~28.000 € pro Jahr – vor Abzug der KI-Modul-Lizenzkosten von typisch 50 bis 150 € pro Monat.
Realistisch sollten Sie in den ersten drei Monaten 30 bis 40 Prozent Zeitersparnis kalkulieren, danach steigend, sobald die Arzt-Brief-Vorlagen auf die Praxis-Routine angepasst sind. Wer noch unsicher ist, welcher Anbieter zur eigenen Praxis passt: Unser PVS-Quiz matcht Sie in 90 Sekunden mit dem passenden System – inklusive KI-Feature-Filter.


